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Das Teufelsmoor

mitten im Teufelsmoor, Foto: Nicole Kanning

Unter der stark ländlichen und von Grünland geprägten Region Kulturland Teufelsmoor wird das tiefliegende flache Gebiet zwischen der Hansestadt Bremen im Süden, der Stadt Bremervörde im Norden, der Tarmstedter Geest und Fischerhude im Osten sowie der Osterholzer Geest im Westen verstanden. Die Region umfasst im Landkreis Osterholz Teilgebiete der Gemeinde Ritterhude, der Stadt Osterholz-Scharmbeck, der Samtgemeinde Hambergen, sowie die Gemeinden Grasberg, Lilienthal und Worpswede. Über den Landkreis hinaus berührt die Region im Norden und Osten die Landkreise Rotenburg/Wümme und Verden. Im Landkreis Rotenburg/Wümme umfasst sie das Gebiet der Gemeinde Gnarrenburg, das Breddorfer Moor und die Hepstedter Weiden in der Samtgemeinde Tarmstedt und im Landkreis Verden Fischerhude mit den Wümmewiesen als Teilgebiet des Fleckens Ottersberg. Im Zentrum liegt der Künstlerort Worpswede.

Eigentlich hat das Teufelsmoor mit dem Teufel nichts zu schaffen. Das flache Land zwischen den Flüssen Wümme und Oste war ein „doves“, ein unfruchtbares Land, das Siedler ab Mitte des 18. Jahrhunderts systematisch kultivierten. Die Arbeit war hart, das Leben karg, da mag es schon angehen, dass das „dove Moor“ im Sprachgebrauch zum Düvelsmoor, dem Teufelsmoor wurde.

Heute erzählen die stillen Kanäle, die einst der Entwässerung und dem Transport dienten, Geschichten einer vergangenen Zeit. Die alten farbenfrohen Höfe auf ihren flutsicheren Wurten vermitteln Wärme und Geborgenheit. Nur wenige Meter erhebt sich das Teufelsmoor über Normalnull. Manche Wiesenlandschaften liegen sogar unter dem Meeresspiegel. Ohne Deiche, Sperr- und Pumpwerke würde das Wasser aus der Nordsee alle 12 Stunden über die Ufer in die weite Ebene schwappen. Über das Wasser der Flüsse und Kanäle gleiten Schiffe, Torfkähne und Kajaks. Und am Ufer entlang führen schöne und abwechslungsreiche Radwege, an denen idyllische Lokale zur Einkehr locken.

Birken mitten im Teufelsmoor, Foto: Nicole Kanning

Das Teufelsmoor und seine Geschichte

Die Besiedlung des Teufelsmoores begann spät, erst im Mittelalter wagt es eine Handvoll verwegener Bauern, in die unfruchtbare Einöde hinaus zu ziehen. Die wenigen Höfe am Fuße des Weyerberges wurden 1218 erstmals erwähnt. Die Zahl der Bauern wuchs nur unwesentlich, um Mitte des 16. Jahrhunderts wurden ganze acht Siedler gezählt. Um die sumpfige Niederung großflächig nutzbar zu machen und zu kolonisieren, musste sie trocken gelegt werden. 1751 beginnen die Vorbereitungen zu dieser gewaltigen Maßnahme, in deren Verlauf ein dichtes System von Entwässerungsgräben durch die Landschaft gezogen wurde.

Entlang der Kanäle, die zugleich zum wichtigsten Verkehrsweg wurden, entstanden die ersten Dörfer, Neu-Sankt-Jürgen bereits 1752. Der „königliche Moorkommissar“ Jürgen Christian Findorff leitete die Unternehmung, von den neuen Siedlern wurde er später als „Moorvater“ verehrt. 1799, sieben Jahre nach seinem Tod, errichten die Worpsweder auf der höchsten Erhebung des Weyerberges, die damals noch unbewaldet war, zu Ehren des Moorkolonisators das Findorffdenkmal. Aus den Resten einer Schlossanlage auf dem Weyerberg, wo nach Ende des 30jährigen Krieges der Landgraf von Hessen-Eschwege einen Stammsitz zu errichten versucht hatte, ließ Findorff die Worpsweder Zionskirche erbauen. Sie wurde 1759 eingeweiht und ist mit ihrem roten Ziegelbau und der weißen Turmspitze noch heute ein weithin sichtbares Zeichen in der Landschaft.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die Moorkolonisierung weitergeführt. Scharen landhungriger Siedler drängten in das neuerschlossene Land, sehr zum Missfallen der eingesessenen Bauern, die sich in blutigen Kämpfen zu wehren suchten. Die Moorbesiedlung war kein friedvolles Unternehmen, das Land reichte nicht für alle. Schnell wurden die Hofflächen zu klein, um eine Familie zu ernähren. Armut breitete sich aus. Auf den Moorflächen stachen die Bauern Torf, den sie in die auf Wasserwegen erreichbaren Städte fuhren, wo er sich als Brennmaterial verkaufen ließ. Flotten von Torfschiffen mit ihren schwarz geteerten Segeln durchzogen die Niederung von Hamme und Wümme, im Jahr 1875 wurden 18.000 Schiffe gezählt, die St. Jürgen passierten. Die Bestellung des Landes war schwer, der Boden karg und fruchtarm. Das ungelöste Problem des Hochwassers machte die Hoffnung auf Ernte allzu oft aussichtslos. Die Natur blieb unbezähmbar, und sie verteilte hier keine Reichtümer. Viele der Siedler waren gezwungen, das Land wieder zu verlassen.

Heute sind die langen Reihen der zum Trocknen aufgeschichteten Torfsoden selten geworden, die Moorschiffe mit ihren aufragenden dunklen Segeln sind aus dem alltäglichen Landschaftsbild verschwunden. Umso öfter sieht man sie wieder vor allem an den Wochenenden, wenn Torfkahnschiffer in ihrer traditionellen Tracht Ausflugsgäste auf den alten Wasserwegen geleiten. Jahrtausende hat das Moor für seine Entstehung gebraucht, aber es wächst nicht nach. Die Trockenlegung hat sein Leben zum Erliegen gebracht. Naturschutzinitiativen haben Reste dieses einzigartigen Feuchtbiotops zu retten vermocht. Schilf, Wollgras und die Tierwelt in den dichten Birkenbruchwäldern sind Zeugen der üppigen Vielfalt der Natur in dieser einst großräumigen Wildnis.

Weitere Informationen über das Teufelsmoor und seine Orte finden Sie hier auf der Website der Touristikagentur Teufelsmoor-Worpswede-Unterweser e.V.

Torf

Torf, Foto: Nicole Kanning

Am wichtigsten war der Handel mit Brenntorf. Der Torf wurde von den Moorbauern in nach Bremen und an die Unterweser transportiert und verkauft. Ende des 19. Jahrhunderts verkehrten auf der Hamme etwa 1500 Torfkähne. Jeder Kahn fuhr 30 bis 40 mal zwischen Juli und Oktober. Man schätzt, dass allein die Bewohner der Stadt Bremen in der Zeit von 1700 bis 1950 ca. 160 Millionen Kubikmeter Torf verbrannten. Nach dem 1. Weltkrieg ging der Torfhandel zurück, weil die Steinkohle als Brennstoff an Bedeutung gewann.

Torfkähne

Torfkähne, Foto: Nicole Kanning

Die Moorbauern fuhren mit sogenannten 1/2 Hunt-Torfkähnen. Dieser Schiffstyp ist 10 m lang, 1,95 m breit und hat 30 cm Tiefgang. Das Segel ist mit Teer imprägniert und deshalb braun. Der Torfkahn kann von einer Person gesegelt werden. Im Bug ist eine kleine Kammer, in der Skipper übernachten konnten. Heute sieht man die braunen Segel der Torfkähne wieder auf den alten Wasserwegen inmitten des Teufelsmoores dahingleiten. Statt mit Torf fährt der Schiffer jetzt mit Ausflugsgästen.

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Moorexpress

Moorexpress, Foto: Nicole Kanning

Moorexpress wurde der Zug genannt, der seit Anfang des 20. Jahrhunderts durch das Teufelsmoor fuhr. Er war das erste landgehende Verkehrsmittel im Teufelsmoor. Wie der Torfkahn mit seinen aus der Weite aufragenden Segeln ist der Zug zu einem Symbol des Teufelsmoores geworden.

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